Auf Müllsuche am Nordseestrand

18. Juni 2017 - von Katharina Stephan

Dieses Wochenende stand bei uns im Zeichen der aktiven Umweltbildung. Ein Bereich der ein wichtiger Teil unseres Gesamtprojekts ist. Wir brauchen einen bewussten Umgang mit Müll in unserer Gesellschaft und eine Sensibilisierung für die weitreichenden Folgen in der Umwelt. Die Problematik des Plastikmülls in den Weltmeeren ist inzwischen weitgehend bekannt. Erstaunen erzeugt  erst das Ausmaß des Mülls vor der eigenen Haustür.

Silke Schmidt, Leiterin des Nationalpark-Hauses "Rosenhaus", hatte uns wieder zu den „Wangerooger Müllaktionstagen“ eingeladen. Im vergangenen Jahr hat sie diese Aktion ins Leben gerufen.

"Müllkippe Meer - der mühsame Weg aus der Plastikfalle?"

Der Vortrag "Müllkippe Meer - der mühsame Weg aus der Plastikfalle?" von Dr. Kim Cornelius Detloff, Leiter des Meeresschutz Ressorts vom NABU Bundesverband, ließ alle Zuhörer im Veranstaltungsraum des Nationalpark-Hauses am Freitagabend in die Plastikvermüllung unserer Ozeane abtauchen. Waschechte Insulaner, Einheimische und Touristen folgten aufmerksam den verschiedensten Aspekten der Plastikvermüllung und ließen sich von den eindrucksvollen Bildern und den zahlreichen Informationen des Referenten zur Diskussion anregen.

Mit dem Müllsack am Strand

Samstagmorgen, 10 Uhr 30, Aufbruch zum Strandreinigen. Groß und Klein, alle waren ausgerüstet mit blauen Müllsäcken und Greifern. Die Strandstrecke - vom Hundestrand bis zum Dünenaufgang "Café Neudeich" - war zwei Kilometer lang. Dennoch war nichts vor den 60 suchenden Augenpaaren sicher. Jedes herumliegende Müllteil und Müllteilchen verschwand ruckzuck im blauen Müllsack. Nach zweieinhalb Stunden gab es zumindest an diesem Stückchen Strand nur noch Sand und für alle fleißigen Sammler einen stärkenden Imbiss.

Das Sammeln beginnt. An die 60 fleißigen Helfer sind ausgerüstet um den Strand zu reinigen.

 

Da liegt doch was. Kein noch so kleines Teilchen entkommt den "Plastikjägern".

Methodisches Sammeln

Wer jetzt aber denkt, wir wären am Ende unseres aktiven Teils angekommen, der irrt. Ab 15 Uhr 30 wurde unsere Ausbeute sortiert. Jeder Beutelinhalt wurde in die Mitte der Fußgängerzone von Wangerooge gekippt. Schnell türmte sich ein Müllberg auf. Die ersten "Schaulustige" ließen nicht lange auf sich warten. Die waren erstaunt, dass an einem augenscheinlich so sauberen Strand noch so viel Müll gefunden wurde. Insgesamt waren das 2.919 Einzelteile. Fast 60 Prozent des gesammelten Mülls, genau 1.723 Stücke, fiel unter die Kategorie "Plastik/Styropor".

Woher kommt der Müll, den wir am Strand aufgesammelt haben? Dieser Frage gehen wir mit unserem Forschungsprojekt auf den Grund. Solche Sammelaktionen tragen dazu bei, zukünftig effektive Strategien und Maßnahmen gegen den Eintrag von Plastikmüll ableiten und schlussendlich etablieren zu können. Durch das Einordnen und Auszählen des Mülls nach einem "Bestimmungsbogen" gewinnen wir nähere Erkenntnisse über die Quellen des Mülls. Diese Methode richtet sich nach dem sogenannten OSPAR-Schlüssel. Die Oslo-Paris-Konvention (OSPAR) ist ein 1992 geschlossenes internationales Abkommen zum Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks. Ziel ist die Erhaltung der marinen Ökosysteme des Nordost-Atlantiks und ihr Schutz vor den negativen Auswirkungen menschlicher Aktivitäten. In diesem Rahmen ist als eine Maßnahme eine Richtlinie für regelmäßiges Strandmonitoring entwickelt worden. Danach werden vergleichbare Daten erhoben, mit denen nähere Erkenntnisse über die Eintragsquellen des Mülls gewonnen werden.

Fleißarbeit für die Wissenschaft

Dieser OSPAR-Schlüssel enthält 121 verschiedene Kategorien, nach denen der Müll sortiert werden muss. Beim Wangerooge-Projekt mit den 2.919 gefundenen Müllteilen haben uns zwölf  FÖJler sowie Touristen und Einheimische tatkräftig unterstützt. Drei Stunden lang haben wir uns durch den Müll gewühlt. Ein buntes Allerlei, vom Lollistiel über einen intakten Volleyball bis hin zu Fischerei-Netzen. Zeitweise verliert man beim Sortieren den Glauben, dass man irgendwann an ein Ende kommt. Das Ausmaß der Vermüllung wird dabei ganz besonders deutlich. An dieser Stelle sei all unseren Helfern noch einmal ein großes Dankschön gesagt! Die Mühe war nicht umsonst. Wir haben ein paar der Ergebnisse für euch zusammengestellt.

Fleißarbeit. Den Müllquellen auf der Spur.

 Woher kommt der Müll?

Wie sah die Zusammensetzung unseres vom Strand eingesammelten Mülls aus? Unsere Ergebnisse sind in dem Tortendiagramm (Abb. 1) dargestellt. Deutlich wird der große Anteil an Plastikmüll sichtbar: fast 60 Prozent.

Abbildung 1. Prozentualer Anteil der OSPAR-Rubriken von der Gesamtmenge des gesammelten Mülls.

Wir teilen den Müll in die Kategorien seebasierte und landbasierte Einträge ein. Seebasiert sind beispielsweise Verluste aus der Fischerei, die direkt auf dem Meer über Bord gegangen sind. Zu landbasierten Einträgen zählen wir beispielsweise Zigarettenstummel oder Lebensmittelverpackungen, die an Land in die Umwelt gelangt sind. Für den von uns am Samstag gesammelten Müll zeigt sich, dass 24 Prozent davon dem seebasierten Eintrag zuzuschreiben waren und 76 Prozent  dem landbasierten (Abb. 2). 

Abbildung 2. Prozentualer Anteil der gruppierten Müllteile nach land- und seebasierten Einträgen.

In der Kategorie "Papier und Pappe" haben wir neben Papierschnipseln hauptsächlich Zigarettenstummel gefunden (Abb. 3).

Abbildung 3. Stückzahlen der gefundenen Müllteile in der OSPAR Kategorie "Papier/Pappe".

Für die Kategorie "Gummi" haben wir hauptsächlich Überreste von Luftballons gefunden, die bei Hochzeitsfeiern oder Veranstaltungen immer wieder als symbolischer Akt in die Luft steigen (Abb.4).

Abbildung 3. Stückzahlen der gefundenen Müllteile in der OSPAR Kategorie "Gummi".

 

Bewegte Bilder von der ganzen Aktion gibt es in der Ard Mediathek. Die Sendung "Hallo Niedersachsen" war mit der Kamera dabei.